Leinenführigkeit – So bleibt Dein Hund entspannt an der Leine

Vielleicht kennst Du es auch: Gefühlt hat jeder Hund eine gute Leinenführigkeit – nur Deiner nicht. Und dabei wünscht Du Dir so sehr, mir Deinem Hund entspannt an der Leine spazieren zu gehen – und vielleicht auch das ein oder andere Lob für Deinen gut erzogenen Hund zu ergattern? Wir verraten Dir heute ein paar leichte Übungen, wie auch Dein Hund leinenführig wird und Ihr Euren Alltag entspannter genießen könnt.

Warum ist eine gute Leinenführigkeit so wichtig?

Vorab möchten wir gerne mit Dir die Frage klären, warum eine Leinenführigkeit so wichtig ist. Gerade bei kleinen Hunden ist es doch vielleicht gar nicht so schlimm, wenn dieser an der Leine zieht?

Zum einen sollte Dir immer bewusst sein, dass ein ziehender Hund Stress hat. Stress wiederum bedeutet dauerhafte Ausschüttung von Adrenalin und das ist schädlich für die Gesundheit Deines Hundes. Aber auch der Druck im Hals- und Nackenbereich, wenn er an einem Halsband geführt wird, ist gesundheitschädlich.

Häufig haben dauerhaft ziehende Hunde aber auch in anderen Bereichen Probleme, zum Beispiel bei Leinenbegegnungen mit Argenossen oder anderen Menschen. Mit einer guten Leinenführigkeit bietest Du Deinem Hund Struktur, zeigst ihm, dass Du Situationen für ihn klärst, kannst ihn beschützen und auch für Dich bedeutet es wesentlich weniger Stress.

Zieht Dein Hund also an der Leine, ist es Zeit, etwas daran zu ändern, um Deinem Vierbeiner und Dir etwas Gutes zu tun!

Geschirr oder Halsband?

Vorweg möchten wir eine der meist diskutiertesten Fragen in der Hundeerziehung klären: Die Frage, ob ein Hund besser an einem Geschirr oder Halsband laufen sollte? Wie es denn so oft ist: Es gibt nicht die eine Antwort auf diese Frage, sondern eher ein „es kommt immer darauf an“. Generell solltest Du Dir einprägen, dass gerade am Halsband die Leine immer durchhängen sollte. Druck im Nacken oder am Hals kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben! Bei einem – Achtung! Wichtig: GUTSITZENDEN Geschirr wird der Druck verteilt. Somit macht es gerade für Welpen oder unerfahrenen Hunden (oder aber auch auf schwierigeren Strecken, zum Beispiel beim Wandern) Sinn, ein Geschirr zu nutzen. Außerdem ist es hilfreich, das Geschirr einzusetzen, wenn Du gerade mal nicht den Kopf für ein konsequentes Training zur Leinenführigkeit hast.

Leinenführigkeit
Sollte Dein Hund nicht entspannt an der Leine laufen können, solltest Du ihn außerhalb des Trainings am Geschirr führen.

Leinenführigkeit – das solltest Du vor dem Trainingsstart wissen

Bevor Du jetzt voller Eifer startest, an der Leinenführigkeit Deines Hundes zu arbeiten, solltest Du in jedem Fall noch ein paar wichtige Punkte wissen.

Muss mein Hund links oder rechts von mir laufen?

Das gängige „Fuß“ laufen ist links von Dir. Es stammt angeblich noch aus der Kriegszeit, in der der rechte Arm für das Gewehr benötigt wurde. Dem modernen Hund sollte es egal sein, ob er rechts oder links von Dir läuft.

Eine kleine Sache vorweg: Übrigens gibt es auch Menschen, deren Hunde auf der linken Seite vernünftig laufen sollen und rechts ziehen dürfen. Dem Hund wird also über die Seite angezeigt, was er gerade darf. Ich halte das für schwierig, denn in gewissen Situationen möchte ich meinen Hund vielleicht auch von der Straße abseits führen und er müsste rechts laufen – aber deswegen sollte er ja noch lange nicht keuchend in der Leine hängen. Ob diese Variante für Euch geeignet ist, entscheide aber bitte selber.

Nach dem Training ist vor dem Training

Zum einen sollte gerade ein aufgeregter Hund lernen, ruhiger zu agieren. Deswegen kann Euch unterstützend das Deckentraining sehr gut helfen.

Auch solltest Du darauf achten, dass Dein Hund nicht vor dem Rausgehen schon extrem hochfährt, zum Beispiel nur, weil Du Deine Jacke anziehst oder die Leine vom Haken holtst. Auch sollte Dein Hund nicht einfach so raus stützen.

Bringe Deinem Hund also bei, dass es nicht gleich Aufregung bedeutet, wenn Du Dich anziehst oder das Halsband greifst. Wiederhole es immer mal wieder ohne, dass es danach raus geht. Achte darauf, dass Dein Hund nach Dir das Haus verlässt und gesittet raus geht. Bringe ihm zum Beispiel bei, dass er nur nach einer Freigabe raus gehen darf. Ist Dein Hund nämlich schon von Beginn an aufgedreht, kann das mit der Leinenführigkeit schon gar nichts werden 🙂

Möchtest Du mal nicht die Leinenführigkeit trainieren wollen, führe Deinen Hund bei Spaziergängen am Geschirr. Er sollte Dich daran zwar trotzdem nicht querfeldein durch die Gegend ziehen, aber er darf voraus gehen. Hast Du eine gute Leinenführung etabliert, wirst Du sehen, dass auch das Führen am Geschirr entspannter wird.

Wann und wie lange sollte ich trainieren?

Achte bitte darauf, dass Du an das Training mit einer positiven Grundstimmung heran gehst. Bist Du genervt, hast generell schlechte Laune oder Dir schwirren gerade tausend andere Dinge im Kopf herum, verschiebe das Training auf einen anderen Moment oder Tag. Das ist überhaupt nicht schlimm und geht uns allen mal so.

Beginnst Du das Training, solltest Du niemals lange mit Deinem Hund trainieren. Du wirst es vielleicht im ersten Moment nicht glauben, aber eine Strecke ruhig an der Leine zu gehen ist für die meisten Hunde wesentlich anstrengender als zwei Stunden Spiel, Spaß und Action mit Artgenossen.

Gerade Hunde, die bisher immer an der Leine ziehen durften und somit nie Leinenführigkeit kennen gelernt haben, werden durchaus hinterfragen und es werden sich viele Fragezeichen und Knoten im Kopf bilden, die es heißt, zu verarbeiten. Deswegen reicht es für den Anfang, fünf Minuten am Stück zu trainieren. Du kannst das Training dafür aber auch gerne drei Mal am Tag machen. Später ist natürlich das Ziel, es weiter auszubauen. Allerdings solltest Du langsam vorgehen.

Welche Ausrüstung benötige ich für das Training?

Natürlich brauchst Du Deinen Hund. Außerdem solltest Du ein gut sitzendes Halsband haben, ein Geschirr zum Umstecken (kommen wir später noch drauf zurück) und eine Leine, die Dir gut in der Hand liegt. Die Leine ist wirklich Geschmackssache. Sie sollte natürlich zur Größe Deines Hundes passen. Hilfreich sind Leinen, die Du auf verschiedene Längen verstellen kannst.

Da es unterschiedliche Methoden gibt, wie Du das Training zur Leinenführigkeit aufbaust, kann es zudem sein, dass Du noch einen Clicker und gute Leckerlis benötigst.

Hilfe! Bei uns funktioniert die Leinenführigkeit einfach nicht!

Einige Hunde lernen es sehr schnell, ruhig und entspannt an der Leine zu laufen. Andere benötigen länger. Verzweifele bitte nicht, wenn es bei Euch nicht sofort mit der Leinenführigkeit klappt. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und vergleiche Dich bitte auch auf keinen Fall mit anderen Mensch-Hunde-Teams. Ihr seid einzigartig und jedes Team ist eben anders.

Außerdem solltest Du wissen, dass nicht jede Methode bei jedem Hund gleich gut funktioniert. Zum einen solltest Du kein Wunder erwarten, wenn es nicht beim ersten Mal klappt. Manchmal brauch es einfach ein paar mehr Trainingseinheiten, bis es bei Euch Beiden „klick“ macht. Wenn Ihr nach einer langen Versuchsstrecke aber gar nicht weiter kommt, ist es sinnvoll, die Methode zu überdenken.

Leinenführigkeit
So sollte kein Hund an einem Halsband geführt werden. Deswegen solltest Du die Leinenführigkeit trainieren.

Es gibt eben nicht die eine perfekte Strategie zum Erlernen von Leinenführigkeit, auch wenn uns das viele weiß machen wollen.

Leinenführigkeit – so baust Du das Training auf

Wie bereits weiter oben erklärt, gibt es mehrere Möglichkeiten, das Training zur Leinenführigkeit aufzubauen. Deswegen wollen wir Dir einen Einblick in verschiedene Methoden geben. Welche für Euch am besten passt, können wir Dir natürlich nicht beantworten. Aber vielleicht hilft es Dir, Deinen Weg noch mal zu überdenken?

Methode 1 – Rechte/linke Winkel laufen

Diese Methode ist sehr einfach umzusetzen und Du kommt trotzdem an Dein Ziel. Beginne das Training in einer reizarmen Umgebung. Wenn Du die Möglichkeit hast, zum Beispiel in Eurem Garten oder an einer nicht (viel) befahrenen Straße. Ich empfehle Dir, für das Training die Leine nun an das Halsband zu machen. Für manche Hunde ist es am Anfang auch Hilfreich, wenn für das Training der Leinenführigkeit ein bestimmtes Halsband zum Einsatz kommt, damit er es vorübergehend damit verknüpft.

Nimm Deinen Hund nun auf die Seite, auf der Du ihn führen möchtest und gehe los. Du kannst natürlich mit einem Kommando arbeiten, ist aber kein Muss, denn Dein Hund soll ja auch körpersprachlich auf Dich achten.

Sobald Dein Hund Dich überholt, läufst Du nun einen rechten bzw. linken Winkel (je nachdem, auf welcher Seite Dein Hund sich befindet), Du schneidest Deinem Hund also den Weg ab bzw. läufst „in ihn hinein“. Wichtig ist, dass Du dies früh genug machst, denn ist Dein Hund erstmal an Dir vorbei gezogen, ist es einfach schon zu spät.

Dein Hund soll hierdurch lernen, auf Dich zu achten. Du signalisierst: Achtest Du nicht auf mich, achte ich auch nicht auf Dich. Sei aber bitte ganz klar hierbei: Mal einen Schritt weiter durchgehen lassen und mal nicht? Das versteht Dein Hund nicht.

Aber Achtung: Es macht einen Unterschied für dieses Training, ob Du einen großen oder kleinen Hund mit Dir führst, vergiss dies bitte nicht.

Methode 2 – Stehen bleiben

Die Methode stehen bleiben wird sehr viel im Training der Leinenführigkeit genutzt. Hierbei bleibst Du stehen, wenn Dein Hund Dich überholt und Du gehst erst dann weiter, wenn Dein Hund sich wieder bei Dir eingereiht hat.

Auch diese Trainingsmethode funktioniert sicherlich bei einigen Hunden. Ich möchte aber an dieser Stelle auch einige Kritikpunkte nennen: Die meisten Hunde verstehen nicht, was Du von ihnen willst. Die Folge ist, dass Dein Hund sich einreiht, Ihr weitergeht und das Spiel von vorne beginnt. Du kommst nicht wirklich voran und es ist sowohl für Dich als auch für Deinen Hund frustrierend.

Außerdem solltest Du beachten, dass „steif stehenbleiben“ in der Hundesprache ein Zeichen dafür ist, dass „da etwas ist“.

Ein weiterer Kritikpunkt aus meiner Sicht ist, dass Dein Hund trotzdem immer wieder im Zug des Halsbandes steht und Druck auf den Nacken und den Halsbereich liegt.

Methode 3 – Block stellen

Diese Methode wird inzwischen in vielen Bereichen der Hundeerziehung genutzt. Du solltest sie Dir in jedem Fall von einem kompetenten Hundetrainer zeigen lassen, Bevor Du sie im Training der Leinenführigkeit einsetzt. Denn setzt Du den Block falsch, verpufft seine Wirkung und es bringt Euch nicht voran. Aus diesem Grunde möchte ich diese Methode auch nur kurz umreißen: Sobald Dein Hund im Begriff ist, Dich zu überholen, drehst Du Dich in seine Richtung ein und versperrst ihm den Weg. Wichtig ist, dass Dein Hund diesen Block auch als einen solchen wahrnimmt. Du solltest erst dann den Weg wieder frei geben, wenn er eine Art Beschwichtigungssignal zeigt (zum Beispiel kurzes Lecken, ein Weg schauen oder eben den Blick von Dir suchen).

Aber wie gesagt: Versuche es nicht auf eigene Faust, sondern lasse Dir einen richtigen Block bitte erst zeigen und trainiere anfangs unter Aufsicht.

Methode 4 – Clickern

Wie Du weißt, Kannst Du mit einem Clicker (oder Markerwort) Deinem Hund wunderbar Hundetricks beibringen. Du kannst dieses aber auch bei der Leinenführigkeit einsetzen.

Denke bitte daran, dass hierbei auch jeder Click eine Belohnung bedeutet. Also stecke Dir gute Leckerchen in Deinen Futterbeutel. Sobald Dein Hund an der richtigen Position ist, klickerst und belohnst Du ihn, denn markierst Du an der falschen Stelle, kann es Eure Probleme noch verschlimmern. Außerdem ist es natürlich auch erst Mal eine Aufgabe, den Hund in die richtige Position zu bekommen, damit man überhaupt belohnen kann. Und Du musst für das Training immer Hundekekse dabei haben, damit Du auch belohnen kannst – aber was ist, wenn Du diese mal vergisst? Belohnung über Futter muss später auch nach und nach wieder abgebaut werden.

Leinenführigkeit
Welche Methode bei Euch am besten funktioniert, musst Du testen. Bleibe aber bitte vorerst bei einer Methode und versuche nicht täglich etwas anderes aus.

Methode 5 – Umdrehen / Richtungswechsel

Eine sehr beliebte Methode im Training für die Leinenführigkeit ist auch der Richtungswechsel. Zieht Dein Hund an Dir vorbei, wechselst Du einfach die Richtung – und zwar so lange und so oft, bis Dein Hund entspannt bei Dir läuft.

Auch hier ist wieder das Problem, dass Dein Hund – gerade wenn er sehr stark zieht – immer wieder in das Halsband „knallt“ und Du gar nicht wirklich voran kommst.

Allerdings lernt Dein Hund so auch, sich an Dir zu orientieren und darauf zu achten, in welche Richtung Du gehst.

Methode 6 – Abdrängen

Bei der sechsten Methode wird ein Zaun oder ähnliches als Hilfestellung genutzt und Du versperrst Deinem Hund beim Laufen den Weg. Auch diese Methode funktioniert bei einigen Hunden sehr schnell – aber was machst Du, wenn mal keinen Zaun oder eine Hauswand findest?

Leinenführigkeit – noch ein paar einfache Tricks

Ein paar kleine Hilfestellungen möchte ich Dir noch mit auf dem Weg geben: Vielen Hunden fällt es zu Beginn einfacher, wenn Du die Leine umsteckst, bevor Du mit dem Training zur Leinenführigkeit startest. Das bedeutet, dass Du ihn erst am Geschirr geführt hast und dann auf das Halsband umsteckst. Dieses kann als Ritual implementiert werden. Natürlich sollte Dein Hund irgendwann auch von alleine wissen, was zu tun ist, aber als Unterstützung hilft es durchaus.

Achte immer darauf, dass der Karabiner der Leine in der Mitte des Halses nach Hunden hängt. Rutscht sie Richtung Nacken, richte sie wieder korrekt aus. So kannst Du immer direkt erkenne, ob Dein Hund gut an der Leine läuft.

Hunde vergessen in der Pupertät durchaus, da sich das Gehirn neu ordnet. Es ist also von Deinem Hund nicht böse gemeint, wenn plötzlich die Leinenführigkeit nicht mehr so klappt wie bisher. Außerdem gibt es eben gute und schlechte Tage. Also nicht aufgeben, wenn es mal einen Tag nicht so läuft. Das meiste erreichst Du mit Geduld und Konsequenz.

Unser Fazit zum Thema Leinenführigkeit

Wie Du siehst, gibt es im Bereich der Leinenführigkeit viele Wege, die nach Rom führen. Und auch wenn ich auch einige Methoden kritisch beleuchtet habe, bedeutet es nicht automatisch, dass sie nicht vielleicht bei Euch funktionieren können.

Bevor Du nun aber alle sechs Methoden hintereinander ausprobierst, setze Dich ein Mal in Ruhe hin und überlege, was vielleicht zu Euch am besten passen könnte und womit Du Dich am wohlsten fühlst. Denn Du solltest bei dem, was Du machst, authentisch und konsequent sein und nicht etwas machen, womit Du selbst nicht gut zurecht kommst.

Schreibe einen Kommentar