Deckentraining – mein Hund kann Ruhe!

Vielleicht fragst Du Dich, wozu ein Deckentraining gut ist? Nun, viele Hunde haben Probleme, Ruhe zu finden. Dabei ist ein gestresster Hund nicht nur anstrengend für Dich, sondern auch schlecht für Deinen Hund. Dauerhafter Stress ist gesundheitsschädigend und kann zudem auch zu starkem Fehlverhalten, Hyperaktivität und Übersprungshandlungen führen. Deswegen möchten wir Dir heute einen Weg zeigen, wie Du Deinem Hund beibringen kannst, Ruhe zu finden.

Warum ist ausreichend Schlaf für einen Hund so wichtig?

Hunde sollten 18-20 Stunden am Tag entspannt ruhen und schlafen. Bei Welpen erhöht sich diese Zeit sogar noch. Im Schlaf regeneriert sich der Körper und erlebte Reize werden verarbeitet. Oft träumen Hunde hierbei auch und zeigen dies durch im Schlaf bellen und knurren, mir dem Schwanz wedeln oder laufen. Auf Hunde strömen sehr viele Geräuche und Reize an einem Tag ein. Durch Toben und Lernen wird Energie verbraucht. Deswegen ist es wichtig, dass Du von vorne herein darauf achtest, dass Deine Fellnase Ruhezeiten annimmt und auch ausreichend nutzt. Doch gerade junge Hunde wollen viel lieber die Welt erkunden und erobern und benötigen eine Hilfestellung. Hier kommt das Deckentraining in den Einsatz – denn einen wichtigen Satz solltest Du Dir merken: Nach müde kommt blöd 🙂 Ist Dein Hund übermüdet, wird er erst recht hoch fahren und allerlei Schabernack anstellen. Viele Hunde werden dann zudem gereizt oder schalten komplett auf Durchzug.

Deckentraining – wofür ist das gut?

Jeder wünscht sich doch einen Hund, der in sich ruht und entspannt ist – zumindest sollte das das Ziel jedes Hundebesitzers sein, sofern der Hund nicht gerade in einem Parcours für Agility oder ähnliches steht und Gas geben möchte. Ein ausgeruhter Hund ist lernfähiger und entspannter und reagiert nicht unangemessen auf verschiedene Reize. Daher sollte jeder Hund schon früh lernen, Ruhe zu halten.

Ein hilfreiches Mittel hierfür ist das sogenannte Deckentraining. Hunde nehmen die Decke als Unterstützung in vielen Fällen unglaublich gut an und so erleichterst Du Euch beiden das Training und beugst Stress vor.

Deckentraining
Wenn Du das Deckentraining etablierst, kannst Du es auch an anderen beliebigen Orten anwenden.

Aber nicht nur für Situationen im eigenen Haushalt ist das Deckentraining geeignet. Denn durch gezieltes Training kannst Du Deinen Hund später auch in allen Alltagssituationen, wie zum Beispiel im Restaurant oder am Rande eines Turnierplatzes ablegen.

Wie Du siehst, ist es nicht nur eine wirklich hilfreiche Übung für Deinen Hund, sondern bietet Dir auch mehr Freiraum, wenn Ihr gemeinsam unterwegs seid. Und Du wirst viel Lob für Deinen entspannten, braven Hund ernten.

Was benötigst Du für das Deckentraining?

Wie der Name Deckentraining schon sagt, benötigst Du eine Decke. Hierbei liegt es in Deiner Hand, ob Du Dich für ein Plaid, eine Matte oder eine „stinknormale“ Decke entscheidest. Wir bevorzugen für das Training eine Reisedecke, weil wir diese einfach besser überall mit hinnehmen können.

Da es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, wie Du das Deckentraining aufbauen kannst, schau dann, was Du sonst noch so benötigst (zum Beispiel Clicker oder Leckerli – wir nutzen zwar in unserem normalen Training sehr gerne Leckerli und Clicker, halten es aber für das Deckentraining eher nicht für zielführend).  Sehr hilfreich ist ein gut sitzendes Geschirr oder Halsband und eine Leine.

Und am wichtigsten: Du benötigst ganz viel Geduld und Ruhe. Solltest Du einen schlechten Tag haben – und das geht uns ja allen mal so – dann setze lieber mit dem Training auf. In diesem Fall bist Du ungeduldiger und Deine Stimmung überträgt sich auch auf Deinen Vierbeiner. Das gilt übrigens nicht nur für das Deckentraining – sondern im Allgemeinen.

Was gilt es vor dem Deckentraining zu beachten?

Wie gerade schon erklärt, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie Du das Deckentraining aufbauen kannst und fragst Du zehn unterschiedliche Hundetrainer, wirst Du vermutlich auch annähernd zehn unterschiedliche Antworten bekommen. Daher ist es wichtig, auf Dein Bauchgefühl zu hören und Deinen Weg zu finden. Um Dir eine Hilfestellung zu geben, teile ich Dir gerne meine Erfahrungen mit.

Was Du auf keinen Fall tun solltest

Fangen wir doch mal mit dem an, was Du auf keinen Fall machen solltest: Schimpfen, motzen, meckern, grob werden und so weiter. Dein Hund soll die Decke positiv verknüpfen. Er soll zur Ruhe kommen – und das geht nicht, wenn er unsicher oder Du laut wirst. Ist die Decke erst mal negativ belegt, dauert es lange, um sie wieder „schmackhaft“ zu machen. Und wo wir gerade bei dem Thema schmackhaft sind: Viele füttern die Decke erstmal schön. Es wird also das Frühstück oder Abendbrot auf der Decke serviert. Dies hat zum einen die Folge, dass Dein Hund die Decke immer mit einer Erwartungshaltung verknüpfen wird und zum anderen auch immer mit Aufregung. Für ein gezieltes Ruhetraining in Form eines Deckentrainings also keine gute Grundlage.

Wo Du mit dem Training beginnen solltest

Fängst Du mit etwas Neuem im Hundetraining an – und auch dies gilt nicht nur für das Deckentraining, sondern auch für viele andere Übungen und das Aufbauen für Hundetricks, so ist extrem hilfreich, dies immer erst in einer ruhigen Atmosphäre ohne starke Umwelteinflüsse und Reize zu machen. Lebst Du in einer Familie, ist es zudem gut, wenn nicht immer jemand um Euch herum wuselt, der Euch ablenken kann oder gar Euer Training sabotiert.

Mit dem Deckentraining beginnst Du somit am besten drinnen an einem „ruhigen Örtchen“ und damit ist nun nicht unbedingt Euer Badezimmer gemeint :-).

Wie alt muss mein Hund für das Deckentraining sein?

Du kannst das Deckentraining bereits mit einem Welpen, der gerade bei Dir eingezogen ist, beginnen. Und das empfehlen wir Dir sogar! Je früher Dein Hund lernt, Ruhe zu halten, desto entspannter wird er durch die ersten Lebensmonate gehen – und er wird bei anderen Übungen oder in der Hundeschule auch aufmerksamer und lernfähriger sein, weil er ausreichend Schlaf bekommt. Aber auch ältere Hunde können stark von einem gezielten Deckentraining profitieren und die meisten Hunde nehmen dieses Training dankbar an.

Wozu ist die Decke überhaupt gut?

Du fragst Dich nun auch vielleicht, wozu die Decke überhaupt gut ist? Kann mein Hund nicht auch so Ruhe lernen?

Mit Sicherheit kann er das. Aber die Decke ist im Training eine große Hilfestellung: Dein Hund lernt, die Decke mit Ruhe und Schlaf zu verknüpfen. Die Decke begrenzt Deinen Hund quasi, ohne ihn wirklich durch einen Zaun oder ein Gitter zu begrenzen. Für Dich ist es leichter zu erkennen, ob Dein Hund den Ort verlassen hat, auf dem Du ihn abgelegt hast (dies ist gerade anfangs extrem wichtig, denn da musst Du besonders konsequent sein).

Ein Hund, der gelernt hat, ausreichend zu Ruhen, benötigt später häufig keine Decke mehr. Aber vergiss an dieser Stelle bitte nicht: Jeder Hund ist da anders. Ein pauschales Trainingsmodell nach Schema X gibt es nicht.

Was solltest Du noch beachten?

Einem Hund fällt es natürlich leichter, zu ruhen, wenn er vorher bereits Bewegung und Auslastung hatte. Deswegen solltest Du vor dem Deckentraining auf jeden Fall zumindest eine Runde mit Deinem Hund spazieren gehen. Ist Dein Hund vom Typ her besonders aufgeregt, solltest Du ihn nicht vorher mit wilden Ballspielen puschen, sondern lieber ein paar Sachen machen, die ihn vom Kopf her auslasten, zum Beispiel ein paar Hundetricks oder vielleicht auch etwas Dummyarbeit.

Das Deckentraining – so kannst Du es aufbauen

Wie ich Dir bereits etwas weiter oben erklärt habe, kam für mich das Training mit Clicker und Leckerli nicht in Frage. Auch nicht das sogannte „Freeshaping“, in dem ich jede Bewegung, die der Hund von sich auf die Decke hinzu macht, clickere und belohne. Im normalen Trainingsalltag setze ich diese Traningsmöglichkeit sehr oft ein. Allerdings wollte ich beim Deckentraining keine Erwartungshaltung fördern a la „Wann kommt denn endlich das nächste Leckerli?“. Um es an dieser Stelle noch mal zu betonen: Auch das freie Formen hat beim Deckentraining durchaus seine Daseinsberechtigung. Hat Dein Hund nämlich aus irgendwelchen Gründen Angst vor der Decke, wäre es aus meiner Sicht der richtige Weg, um eine positive Verknüpfung her zu stellen. Und deswegen muss jeder Vierbeiner immer als Individuum betrachtet und dementsprechend auch das Training ausgerichtet werden.

Deckentraining
Übst Du das Deckentraining regelmäßig und konsequent, wird Dein Hund später auch ohne Decke überall entspannen können.

So habe ich es gemacht

Jeder Australian Shepherd Besitzer (wie auch die Besitzer vieler anderer Rassen) wissen, was es bedeutet, wenn man einen Hund hat, der gerne hinterfragt: Tief einatmen, tief ausatmen – WUSA – Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein 🌞. Daher kann ich Dir schon mal von vorne herein sagen: Meine Trainingsmethode benötigt Geduld, sehr viel Geduld und Ausdauer. Aber damit habe ich bei meiner Hündin einen riesigen Erfolg erzielt. Inzwischen legt sie sich auf der Decke sogar komplett auf die Seite, selbst wenn neben Ihr eine Bombe hoch gehen würde.

Breite die Decke an einem ruhigen, reizarmen Ort aus. Für den Anfang leine Deinen Hund an (es ist egal, ob Du ihn an einem Halsband oder Geschirr anleinst, denn es soll nicht mit Leinenruck oder – druck gearbeitet werden). Die Leine dient lediglich dazu, dass Dein Hund nicht auf die Idee kommt, ohne Dich wo anders Party zu feiern und Du mit der Decke alleine zurück bleibst.

Führe Deinen Hund nun auf die Decke und zwar so, dass Du zu ihm gedreht bist. Anfangs solltest Du recht dicht bei ihm stehen. Bitte gebe ihm nun erstmal kein Kommando sondern warte ab.. und warte und warte. Dein Hund soll von alleine eine liegende Position einnehmen. Und das kann dauern. Ich möchte an dieser Stelle noch mal wiederholen: Kein Sitz, Platz oder Bleib! Du kannst Dir das Kommando „denken“, denn das funktioniert tatsächlich bei vielen Hunden. Legt sich Dein Hund hin, feierst Du bitte keine überschwengliche Party mit ihm (auch wenn das nach minutenlangem Warten vielleicht schwer fällt), sondern drehst Dich genau in diesem Moment von ihm weg und gibst ihm Freiraum.

Die Decke verlassen sollte er übrigens immer nur nach Deiner Freigabe und nicht selbstständig. Überlege Dir, wie Du die Freigabe gestalten möchtest. In keinem Fall sollte sie energiegeladen sein. Ein Wort, was Du zum Beispiel nicht oft im Alltag nutzt, ganz ruhig gesagt und immer erst dann, wenn Dein Hund auch zur Ruhe gekommen ist. Alternativ kannst Du auch eine Handbewegung nutzen.

Wie geht das Deckentraining jetzt weiter?

Wenn Du Deinen Hund nun schon zu der Decke bringen kannst und er sich schnell ablegt, baust Du das Training weiter aus. Zum einen kannst Du, wenn Du Deinen Hund zur Decke führst, das Kommando „Decke“ einführen. Sag es ruhig und freundlich. Somit kannst Du Deinen Hund auch später ohne Leine auf die Decke schicken.

Beim nächsten Schritt lässt Du die Leine vorerst noch dran, denn dies hilft, im Fall des Falles den Hund wieder zurück zur Decke zu führen. Entferne Dich anfangs nur wenige Schritte und schaue Deinen Hund nicht an. Aber denke an das Oberstes Gebot: Sei konsequent! Steht Dein Hund auf, wendest Du Dich ihm wieder zu, führst ihn zurück zur Decke  uns warte erneut, bis er sich wieder hinlegt.

Dein Hund wird Deine Konsequenz annehmen – der eine schneller, der andere langsamer – uns irgendwann liegen bleiben. Erst nach Deiner Freigabe (bitte in einem ruhigen Ton) darf er die Decke verlassen. Wichtig ist übrigens auch, danach nicht wie wild zu spielen – Dein Hund soll die Decke mit Ruhe verknüpfen!

Später kannst Du Dich auch weiter entfernen und auch mal den Raum verlassen. Dein Hund wird auch im Restaurant und an anderen Orten die Decke mit Ruhe verknüpfen.

Deckentraining und die Sache mit dem Clicker

Wie etwas weiter oben beschrieben, gibt es auch beim Deckentraining verschiedene Wege, die nach Rom führen – bzw. zur Decke 🙂 Unter anderem das Clickertraining. Gerne möchte ich Dir in der Kurzübersicht die Schritte dazu nennen. Achtung, Du solltest dabei Deinen Hund nicht direkt anschauen. Schaue auf die Decke. Außerdem solltest Du die Decke nur für das Training raus holen und nach dem Training direkt wieder weg packen.

  • Jeder Blick in Richtung Decke wird geklickert und belohnt (mir einem Markerwort oder eben mit einem Clickler). Lege das Leckerchen dazu auf die Mitte des Tuches, damit Dein Hund lernt, sich immer zur Decke zu orientieren
  • Jede Bewegung in Richtung Decke wird geklickert und belohnt
  • Setzt oder legt sich Dein Hund bereits auf die Decke, wenn Du sie auspackst, belohnst Du nun jeden Schritt, bei dem Dein Hund seinen Kopf in Richtung Decke senkt, denn er soll ja irgendwann auch den Kopf ablegen und ruhen. Übrigens ist es beim Hinlegen egal, wie Dein Hund liegt. Hauptsache er liegt.
  • Legt sich Dein Hund entspannt hin, musst Du nun an der Dauer arbeiten. Drehe Dich von Deinem Hund weg und zähle im Kopf rückwärts. Beginne mit kurzen Schritten und belohne Deinen Hund (allerdings so, dass er dafür nicht aufstehen muss. Am besten das Leckerchen da hinlegen, wo die Hundeschnauze lag)
  • Verlängere die Verweildauer
  • Trainiere mindestens zwei Mal am Tag zirka drei Minuten (mehrmals am Tag wäre noch besser)
Deckentraining mit Clicker
Du kannst beim Deckentraining auch Clickern. Ich nutze gerne den Clicker oder ein Markerwort, habe mich aber beim Deckentraining dagegen entschieden.

Wie Du siehst, führt auch diese Methode langfristig zum Ziel. Allerdings könnte gerade bei sehr fressfreudigen Hunden eine Erwartungshaltung auf das nächste Leckerli geschürt werden.

Fazit zum Deckentraining

Das Deckentraining ist eine tolle Hilfe, um Deinem Hund Ruhe zu lehren, sodass er seine Schlafzeiten annimmt und entpannt wird. Natürlich ist ein Ruhetraining auch ohne eine Decke oder eine Hundebox möglich, gerade, wenn Du schon sehr erfahren in der Hundehaltung bist. Dennoch empfehlen wir ein Deckentraining, da es im Alltag eine große Unterstützung werden kann.

Für welche Trainingsmethode Du Dich entscheidest, bleibt natürlich Dir überlassen. Jeder Hund ist unterschiedlich und so führten auch unterschiedliche Methoden zum Erfolg. Achte aber immer darauf, mir viel Geduld, Ruhe und Konsequenz zu trainieren.

Wenn Du Fragen zu dem Training hast, freuen wir uns über einen Kommentar von Dir.

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