Futterneid beim Hund abgewöhnen – Alles über die Ursachen und Training

Lesedauer 7 Minuten

Futter ist eine sogenannte Ressource. Ohne Futter kann ein Hund selbstverständlich nicht überleben und so neigen viele Hunde dazu, ihr Futter zu verteidigen. Futterneid beim Hund ist also erst mal ein natürliches Verhalten. Doch schnell kann dies bei einer starken Ausprägung auch zur Belastung werden. Wie Futterneid beim Hund entsteht und welche Trainingsansätze es gibt, verraten wir Dir in unserem heutigen Beitrag.

Was ist Futterneid beim Hund?

Futter ist eine sogenannte Ressource. Zeigt Dein Hund also Futterneid, kann dies auch als eine Ressourcenaggression bezeichnet werden. Nun denken leider immer noch viele Menschen, dass der Hund damit zeigen möchte, wer das sagen hat. Dieser Ansicht wollen wir vehement widersprechen. Denn eigentlich spiegelt die Futteraggression viel mehr eine Verlustangst wider.

Welche Ursache hat Futterneid beim Hund

Grundsätzlich kann der Futterneid mehrere Ursachen haben. In den meisten Fällen wird der Grundstein für dieses Verhalten jedoch bereits im Welpenalter gelegt. Nämlich dann, wenn Dein Welpe um sein Futter kämpfen musste oder nicht ausreichend Nahrung bekommen hat. Somit ist dieses Verhalten auch bei Hunden aus dem Tierschutz häufig anzutreffen.

Musste Dein Hund schon früh Angst haben, nicht ausreichend Futter zu bekommen, so prägt sich dieser Umstand ein und Dein Hund wird auch später befürchten, dass ihm sein Futter genommen wird oder er nicht ausreichend Futter bekommt.

Für Züchter mit größeren Würfen heißt das automatisch, dass sie unbedingt darauf achten müssen, dass jeder Welpe gleichberechtigt an die Zitzen des Muttertiers kommt. Auch beim Zufüttern sollten Welpen lernen, dass sie in Ruhe ihren Teil fressen können ohne ihn verteidigen zu müssen. Die Fütterung über einen Ringnapf können wir dementsprechend nicht empfehlen. Dieser begünstigt Futterneid beim Hund eher.

Hat Dein Hund gelernt, dass er um sein Futter kämpfen bzw. dieses verteidigen muss, so kann es passieren, dass er aggressiv gegenüber Artgenossen oder gar gegen Menschen wird, wenn diese seinem Futter zu nah kommen. Das erklärt auch, warum einige Hunde damit gar kein Problem haben: Sie haben diese negativen Erfahrungen nie machen müssen.

Der Ursprung für Futterneid beim Hund ist also ein Schutzmechanismus, der Deinem Hund das Überleben sichert. Im Älter werden des Hundes kann sich so ein Verhalten festigen oder gar verstärken. Zum Teil nehmen wir als Hundebesitzer darauf auch unbewusst Einfluss.

Übrigens: Selten zeigt ein Hund von Geburt an Futteraggression. Häufig beginnt es mit Schlingen oder gar mit Angst (Dein Hund traut sich nicht mehr an den Napf). Erst später festigt sich dann das Aggressionsverhalten.

Futter wegnehmen

Leider hören und lesen wir immer noch, dass bereits ein Welpe lernen muss, dass der Besitzer ihm sein Futter wegnehmen kann. Begründet wird dies darin, dass Du so die Machtposition gegenüber Deines Hundes klarstellen kannst. Lasse Dich bitte nicht von einem so veralteten Trainingsansatz leiten. Denn rangniedrigere Hunde würden im Ernstfall auch gegen souveränere Hunde ihr Futter verteidigen. Es hat also nichts mit der Stellung im Rudel zu tun!

Futterneid beim Hund
Der Gedanke, dem Hund das Futter wegzunehmen, um sich als „Alpha-Tier“ zu behaupten, ist veraltet und nicht förderlich!

Einfach so das Futter weg zu nehmen, um Macht zu demonstrieren, ist der falsche Weg. Genau solche Ansätze führen erst zu einem Futterneid beim Hund! Und genau das kann weitere Kreise ziehen: Anfangs beginnt Dein Hund, nur das Futter zu verteidigen. Dann sogar den leeren Napf, den Raum um den Napf, das ganze Zimmer. Ist das Vertrauen zwischen Deinem Hund und Dir schon stark angeknackst, kann sich die Aggression dann auch unabhängig vom Futter zeigen.

Wie kann ich Futteraggression beim Hund vorbeugen?

Zunächst einmal kann der Züchter bereits die richtigen Weichen stellen. Bereits im jungen Alter sollten Welpen lernen, dass sie in Ruhe fressen dürfen. Zum einen lernen Welpen dann gar nicht erst, dass sie Futter schnell runter schlingen müssen und zum anderen müssen sie sich nicht gegen ihre Geschwister behaupten.

Außerdem sollte Dein Hund lernen, dass ihm nichts weggenommen wird. Somit bedeutet das natürlich auch: Kinder haben nichts am Futter Deines Hundes zu suchen!

Wie Du Deinem Hund beibringen kannst, dass Du ihm im schlimmsten Fall das Futter wegnehmen kannst, ohne damit den Futterneid beim Hund zu provozieren, verraten wir Dir im weiteren Verlauf des Beitrags.

Futterneid beim Hund – Aggression gegen andere Hunde

Viele Hunde, die futterneidisch sind, zeigen das Verhalten sowohl gegenüber Menschen als auch gegenüber Hunden. Aber längst nicht alle! Wenn ein Hund gelernt hat, dass der Mensch eher das Futter gibt als zu nehmen, wird Dein Hund als potenziellen Fressfeind nur andere Artgenossen sehen.

Zeigt Dein Hund jedoch Futteraggressionen gegenüber Menschen, so ist es sehr wahrscheinlich, dass er diese zudem auch gegenüber Artgenossen zeigen wird. In diesem Fall ist der Futterneid beim Hund besonders stark ausgeprägt.

Futteraggression gegenüber Artgenossen – Trainingsansätze

Lebst Du in einem Mehrhundehaushalt, ist es empfehlenswert, wenn jeder Deiner Hunde für sich alleine fressen darf. Anfangs am besten sogar in verschiedenen Räumen. So kommt es gar nicht erst zu Rangeleien unter den Vierbeinern. Hat Dein Hund einen ausgeprägten Futterneid, lernt er so, dass er beim Fressen entspannen kann.

Hast Du das Gefühl, dass Dein Hund beim Fressen ruhiger wird (beachte bitte: es braucht Zeit!), kannst Du mal die Wohnzimmertüren offen lassen. Stelle Dich aber am besten dazwischen, um im Fall der Fälle reagieren zu können. Nur langsam wirst Du (wenn das überhaupt nötig ist), die Fütterung zentimeterweise zusammenführen können.

Achte auch bei der Gabe von Kauknochen oder Leckerli darauf, dass kein Hund dem anderen etwas wegnimmt. Lernt Dein Hund, dass Du das Management übernommen hast und dafür sorgst, dass ihm sein Futter nicht genommen wird, wird das zudem Eure Beziehung und somit auch Bindung deutlich stärken.

Zeigt Dein Hund die Aggressionen gegenüber fremden Hunden bzw. Hunden, die nicht bei Euch im Haushalt leben, ist ein guter Tipp, dass Du dem anderen Hund zwar was gibst, Dein Hund aber immer das Bessere bekommt. Der Lerneffekt ist klar: Ich bekomme immer etwas und es ist sogar noch besser!

Futteraggression gegenüber Menschen

Futterneid beim Hund gegenüber Menschen ist dann doch nicht selten gefährlicher! Es gibt Fälle, da dürfen sich die Besitzer nicht mal mehr auf einige Meter Entfernung dem Napf nähern. Leben Kinder im Haushalt, kann die Situation schnell eskalieren.

Ganz wichtig ist mir an dieser Stelle zu betonen: Auch Kinder müssen lernen, dass ein Hund seinen Freiraum haben darf. Kinder sollten dementsprechend nicht in das Körbchen eines schlafenden Hundes krabbeln, an irgendwelchen Körperteilen ziehen oder dem Hund eben das Futter wegnehmen. Du als Elternteil trägst hierfür die Verantwortung. Auch ein Hund muss sich nicht alles gefallen lassen! Genau durch solche Situationen entstehen die meisten Beißvorfälle mit Kindern! Und nicht selten hat Dein Hund dann vorher deutlich gewarnt und wurde einfach nicht ernst genommen.

Die Frage ist nun aber: Warum muss ich überhaupt an das Futter meines Hundes dran kommen? Nun ja: Zum einen sollte Dein Hund lernen, Dir zu vertrauen. Denn einen Napf hinzustellen und dann für Minuten oder sogar Stunden den Raum nicht betreten zu können? Das geht natürlich gar nicht! Aber es gibt eben auch Situationen, bei denen Dein Hund etwas aufnimmt, was er nicht darf (nehmen wir mal als Beispiel ein Giftköder). In diesem Fall ist es selbstverständlich wichtig, dass Du ihm eben auch Futter wegnehmen kannst.

Futterneid beim Hund gegenüber Menschen – wie kann ich das Training aufbauen?

Vorweg möchten wir auch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der beste Weg immer ist, sich einen kompetenten Hundetrainer oder Verhaltenstherapeuten für Hunde ins Haus zu holen. Er kann das Problem vor Ort analysieren. Gerade Futterneid beim Hund kann je nach Ausprägung für alle Beteiligte gefährlich werden! Sollte es also schon zu brenzligen Situationen gekommen sein, beende das Lesen hier und gehe direkt auf die Suche nach einem Trainer. Aus Erfahrung kann ich Dir sagen: Das Problem wird ohne richtiges Training nicht besser sondern schlimmer!

Futteraggression bei Hunden
Achtung! Du solltest ein Drohen immer ernst nehmen, egal wie groß oder klein Dein Hund ist. Nimmst Du es nicht ernst, wenn Dein Hund Dich warnt, wird er zukünftig das warnen lassen und im schlimmsten Fall dann sofort beißen.

Um Dir aber einige Tipps als „Erste-Hilfe“ mit auf den Weg zu geben, haben wir Dir Trainingsansätze zusammengestellt, die Dir eine Hilfestellung geben sollen. Ziel ist es, die Verknüpfung, dass Du Deinem Hund das Futter wegnehmen könntest, zu löschen und umzuprogrammieren.

Du bist Futtergeber und nicht Futternehmer

Dein Hund soll lernen, dass Du ihm das Futter nicht wegnehmen möchtest, sondern es ihm gibst. Deswegen gibst Du Deinem Hund am Anfang nur ein ganz klein bisschen in seinen Napf und gibst immer etwas nach. Wenn Dein Hund Dich kaum an den Napf dran lässt, kannst Du das Futter auch für den Anfang werfen. Wichtig ist, dass Dein Hund sieht, dass das Futter von Dir kommt und er ausreichend und vollwertige Nahrung bekommt.

Erarbeite diesen Vorgang Schritt für Schritt.Achte darauf, dass Du eine ruhige Trainingsumgebung hast und nicht andauernd jemand stört. Hilfreich sind zudem auch feste Fütterungszeiten. Das bietet Deinem Hund eine Struktur, die ihm wiederum Sicherheit bietet.

Auch unterwegs kannst Du Deinen Hund für kleine Lektionen immer wieder mit Futter belohnen.

Wie bringe ich meinem Hund bei, dass ich im Ernstfall das Futter wegnehmen kann?

Bitte beachte: Das Futter wegzunehmen bedeutet gerade bei futterneidischen Hunden immer einen Vertrauensbruch. Daher sollte diese Anleitung nur für den Ernstfall gelten. Nämlich dann, wenn Dein Hund etwas aufgenommen hat, was für ihn gesundheitlich gefährlich werden kann!

Hierbei baust Du das sogenannte Tauschen auf. Das bedeutet: Dein Hund lernt, Dir sein Futter zu geben und bekommt dafür etwas besseres. Meine Empfehlung ist, dies bereits mit Welpen zu trainieren, wenn möglich. Du fängst am besten erst mal nicht mit der Futterressource an, das könnte noch zu schwierig sein. Nutze ein Spielzeug, was Du am besten an einer Leine befestigst. Nun darf Dein Hund das Spielzeug holen und Dir bringen (bringt er es nicht, kannst Du es mit der Leine zu Dir holen) und halte die flache Hand unter das Spielzeug. Lässt Dein Hund es in die Hand fallen (habe bitte Geduld), nutzt Du ein Kommando („Tauschen“) und er bekommt dafür ein Leckerli.

Das Leckerli sollte sich für Deinen Hund lohnen und im Vergleich zum Spielzeug besser sein. So festigst Du das Wort Tauschen und Dein Hund lernt, dass er für das Hergeben etwas Besseres bekommt. Hat Dein Hund das Prinzip verstanden, kannst Du es auch auf andere Situationen übertragen. Aber denke bitte daran: Wiederhole dies nicht unzählige Male hintereinander. Wenn Dein Hund einen Kauknochen bekommen hat, sollte er auch diesen dann in Ruhe fressen dürfen.

Aber damit Du eine Vorstellung hast, wie es am Ende aussehen könnte: Ein Kauknochen wird gegen Leberwurst getauscht o.ä.

Trainiere mit dem Futterdummy

Ein weiterer toller Tipp bei Hunden mit Futterneid ist das Training mit dem Futterdummy. Denn Dein Hund lernt hier, dass er ohne Dich nicht an das Futter kommt. Lies hierzu gerne mehr in unserem Beitrag Dummytraining.

Fazit: Futterneid beim Hund

Wie Du siehst, ist Futterneid beim Hund gar nicht so selten. Diese Fehlprägung ist bei vielen Hunden vorzufinden. Die Ausprägung ist nur unterschiedlich. Natürlich gibt es auch sehr viele Hunde, die gar keine Futteraggression zeigen. Unsere Hunde sind eben unterschiedlich, haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht und zeigen verschiedene Verknüpfungen. Wichtig ist, dass Du Dir bei dem Training Zeit lässt. Trainiere niemals mit Druck, mit schlechter Laune oder bei Zeitmangel. Dein Hund soll lernen, dass er Dir vertrauen kann und „satt wird“.

Außerdem möchten wir auch den Abschluss dieses Beitrags noch mal dazu nutzen, Dir die Empfehlung zu geben, einen kompetenten Hundetrainer zur Hilfe zu holen. Sich helfen lassen ist nichts schlimmes! Und nur durch ein gut aufgebautes Training kann Euer Alltag wieder entspannter werden.

Zeigen Deine Hunde Futteraggressionen oder hast Du mit diesem Thema generell schon Erfahrungen gesammelt? Dann berichte uns doch gerne davon in einem Kommentar. Wir freuen uns auf einen Meinungsaustausch mit Dir.

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