Hund das Anspringen abgewöhnen – Trainingsansätze und Lösungen

Dein Hund springt Gäste, Besucher und Fremde an und es ist Dir unangenehm. Einige Menschen haben vielleicht auch Angst und haben sich schon über das Verhalten Deines Hundes beschwert? Wir haben Dir in unserem Beitrag „Hund das Anspringen abgewöhnen“ Einige Trainingsansätze zusammen getragen, mir denen auch Ihr das Verhalten in den Griff bekommt.

Warum springen Hunde Menschen an?

Wenn Du Deinem Hund das Anspringen abgewöhnen willst, sollte Dir bewusst sein, dass es verschiedene Ursachen für dieses Verhalten gibt. Deswegen lohnt sich auch, sich selbst und das Verhalten seines Hundes genau zu reflektieren, denn was viele Hundebesitzer als Freude einstufen, ist viel mehr eine Korrektur des Menschen. Aber fangen wir mal vorne an:

In der Welpenzeit springen Welpen am Maul ihrer Mutter hoch, um so Futter zu erbetteln, es ist ein Relikt von den wölfischen Urahnen. Also ein ganz natürliches und typisches Verhalten. Während die Wolfsmutter Futter hochwürgt und ihre Welpen damit füttert, ignoriert die Mutterhündin dieses Verhalten meist. Bei einem heranwachsenden Hund kann das Verhalten also durchaus noch aus der Welpenzeit stammen. Auch zeigen Junghunde beim Kräftemessen das Verhalten des Anspringens.

Hund anspringen abgewöhnen
Wenn Hunde Menschen anspringen, ist dies oft eine Unart.

Springt ein Welpe einen Menschen an, wird dieses Verhalten häufig noch als süß empfunden und nichts dagegen gemacht. Ist der Hund dann ausgewachsen, wird daraus ein Problemverhalten – vor allem dann, wenn es sich um eine große Hunderasse wie einen Rottweiler, Schäferhund oder Labrador handelt. Deswegen ist es auch wichtig, schon früh mit dem richtigen Training zu beginnen, dem Hund das Anspringen abgewöhnen wollen – oder besser noch: gar nicht erst beizubringen!

Unter zwei erwachsenen Hunden wirst Du das Anspring-Verhalten auch nicht sehen, da dieses als distanzlos gilt und korrigiert bzw. gemaßregelt wird.

Und auch bei Menschen ist das Anspringen meist distanzlos und als Korrektur am Menschen zu verstehen: Warum warst Du so lange weg? Wo warst Du ohne mich? Oder Dein Energielevel ist sehr hoch beim Wiedersehen und Dein Hund will Dich dafür maßregeln. Bei Fremden Menschen kann das auch überschüssige Energie oder eine Korrektur sein. Gerade bei Kindern kann das schnell gefährlich werden!

Auch kann das Anspringen eine Übersprungshandlung oder ein Konfliktverhalten sein.

Springt Dein Hund nur Dich an, ist das ein Problem zwischen Dir und Deinem Hund. Springt Dein Hund auch andere Menschen an, bist Du in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Dein Hund die nötige Distanz wahrt.

Hund das Anspringen abgewöhnen – wodurch könnte die Distanzlosigkeit entstanden sein?

Vielleicht kennst Du das Verhalten von Dir selber oder von anderen. Sobald Menschen einen Welpen sehen, knien sie sich gerne hin, klatschen auf die Oberschenkel und freuen sich. Der Hund wird so animiert, auf die Beine zu klettern und wird freudig mit Kuscheleinheiten belohnt. Der Welpe lernt also, dass die Menschen sich über Distanzlosigkeit freuen.

Auch wenn Du nach Hause kommst oder Besucher kommen, wird meist immer der Hund zuerst begrüßt. Zudem ist der Hund in dieser Situation häufig noch aufgeregt und hat ein hohes Energielevel. Auch in dieser Situation generalisiert Dein Hund das Verhalten und wird es auch zukünftig anwenden.

Springt Dein Hund vor allem Kinder an, hat dieses häufig einen maßregelnden Hintergrund, der Hund möchte also erziehend auf die Kinder einwirken und durch das Anspringen das Toben der Kinder stoppen.

Wenn Dein Hund Dich anspringt, wenn Du nach Hause kommst, kann das natürlich auch mal überschwängliche Freude sein. Häufig ist aber auch das eher eine Korrektur frei nach dem Motto: Was fällt Dir ein, ohne mich zu gehen?!

Hund das Anspringen abgewöhnen – Diese  Trainingsansätze gibt es

Wenn Du Deinem Hund das Anspringen abgewöhnen willst, solltest Du Dir zuerst genau Gedanken darüber machen, wann Dein Hund dieses Verhalten zeigt und wie es sich äußert. Hierdurch kannst Du dann gezielt Trainingssituationen schaffen.

Hund das Anspringen abgewöhnen – ein paar Tipps bevor es los geht

  1. Um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen, solltest Du täglich an dem Problemverhalten trainieren und immer wieder neue Trainingssituationen schaffen. Fange erst mal mit leichten Übungen an und gehe erst einen Schritt weiter, wenn Du Dich sicher fühlst. Frage am besten auch Freunde und Bekannte, ob sie Dich bei dem Training unterstützen können. Denn einige Hunde verknüpfen das Verhalten schnell mit bestimmten Personen, aber Du willst es ja generell festigen. Es ist also etwas Fleißarbeit, aber Du kannst Dir sicher sein: Es wird sich lohnen!
  2. Gehe immer mit einem Erfolgserlebnis aus dem Training mit Deinem Hund raus. Auch wenn das jetzt vielleicht noch sehr schwierig klingt, so solltet ihr beide mit einem positiven Gefühl das Training beenden, damit ihr auch ins nächste Training positiv einsteigen könnt
  3. Trainiert nicht zu lange! So ein Training ist sehr anstrengend für Deinen Hund. Trainiere daher maximal 5-10 Minuten am Stück und dafür dann lieber zwei bis drei Mal am Tag
  4. Bleibe immer ruhig. Hast Du selbst einen stressigen Tag und bist gereizt, solltest Du das Training auf einen anderen Tag verschieben. Deine Stimmung wird sich ansonsten auf Deinen Hund übertragen, was für das Training absolut kontraproduktiv ist
Hund wartet an Tür
Begrüße Deinen Hund nicht zuerst. Erst wenn er ruhig ist, darfst Du ihn auch mit ruhiger Energie begrüßen. Setze Dich zu ihm auf den Boden.

Hund das Anspringen abgewöhnen – Lösungsansätze für Dich und Deinen Hund

Wie Du nun vermutlich erahnen kannst, gibt es nicht den einen richtigen Trainingsansatz für alle Hunde. Es ist wichtig, genau zu eruieren, was die Ursache für das Verhalten ist und dann das richtige Training zu wählen. Wenn Du Deinem Hund das Anspringen abgewöhnen willst, haben wir für Dich mehrere Trainingsansätze zusammen gestellt. Generell ist es natürlich immer hilfreich, sich vor Ort einen kompetenten Hundetrainer zur Hilfe zu nehmen – gerade, wenn es sich um ein Problem in der Hierarchie zwischen Deinem Hund und Dir handelt.

Dein Hund sollte einen Ruheort haben

Zeigt Dein Hund das Verhalten, wenn Du Besuch bekommst, solltest Du Deinem Hund einen Ruheort zuweisen. Der Besuch soll immer zuerst Dich begrüßen. Auch darf Dein Hund seinen Ruheort erst dann verlassen, wenn Du ihn auflöst. Hilfreich ist hierbei, wenn Du Dich mit dem Deckentraining beschäftigst. Du solltest also erst mal den Ruheort für Deinen Hund festigen. Erst dann kannst Du mit Besuchern arbeiten. Diese sollen Deinen Hund vorerst ignorieren.

Dein Hund sollte zudem auf keinem Fall ein Erfolgserlebnis im Bezug auf das Begrüßen der Gäste haben. Leine ihn daher am besten auch zusätzlich an. Erst wenn sich der Begrüßungstrubel gelegt hat und das Energielevel Deines Hundes niedrig ist, kannst Du ihn freigeben (das solltest Du entscheiden). Gib aber bitte auch den Besuchern klare Anweisungen im Umgang mit Deinem Hund. Auch sie sollten ruhig und besonnen im Umgang mit Deinem Hund sein und ihn nicht wieder hoch puschen.

Richtiges Begrüßen, wenn Du nach Hause kommst

Auch wenn Du nach Hause kommst, solltest Du Deinen Hund ignorieren. Natürlich fällt uns das schwer, denn auch wir freuen uns, unseren geliebten Vierbeiner wieder zu sehen. Aber wenn Du Deinen Hund das Anspringen abgewöhnen willst, bleibt Dir nichts anderes übrig als Konsquenz. Du begrüßt zuerst alle anderen Familienmitglieder. Erst wenn sich Dein Hund ruhig verhält, kannst Du ihn zu seinem Liegeplatz schicken und ihn dort ruhig begrüßen.

Training Impulskontrolle

Viele Hunde springen auch dann hoch, wenn sie dem Menschen etwas aus der Hand nehmen wollen. Das ist natürlich äußerst respektlos und deutet zudem auch auf eine nicht vorhandene Impulskontrolle hin. Hierbei ist es egal, ob Du Futter oder Spielzeug in der Hand hast – Dein Hund darf es Dir nicht aus der Hand reißen!

Deswegen solltest Du daran arbeiten, dass Dein Hund erst nach Freigabe an den Ball oder Fressen darf. Du solltest zudem ganz klare Grenzen setzen, um Dir Deinen Respekt zurück zu erarbeiten. Dies kann zum Beispiel sein, dass Dein Hund bestimmte Räume im Haus nicht betreten darf oder ähnliches.

Häufig hilft es bei gewissen Fehlverhalten schon, wenn Du einfach mal Deinen Tagesablauf anschaust und prüfst, ob Du gewisse Rituale und Grenzen einführst. Diese geben Deinem Hund Sicherheit und zeigen, dass Dein Hund sich auf Dich als souveränen Hundeführer verlassen kann.

Hund anspringen abgewöhnen
Du solltest Deinen Hund auch nicht zum Anspringen animieren. Vor allem dann nicht, wenn er dazu neigt, andere anzuspringen.

Die Sitz-Box

Hast Du schon mal von der Sitz-Box gehört? Hier machst Du Dir einfache Konditionierung zu Nutze. Du benötigst eine kleine Leckerlibox und fühlst diese mit guten Leckerlis auf. Nun bringst Du Deinem Hund erstmal selber an der Wohnungstür bei, dass wenn Du die Box in der Hand hast und er sich hinsetzt, eine Belohnung bekommt. Später kann das dann auch Dein Besuch machen. Natürlich musst Du ihn vorher briefen, damit er weiß, was zu tun ist.

Die meisten Hunde verknüpfen die Leckerlibox dann sehr schnell mit dem Sitzen. Ganz wichtig ist natürlich, ihn auch wirklich immer nur dann zu belohnen, wenn er wirklich auch ruhig sitzt.

Schon im Welpenalter trainieren

Eine große Hilfe ist natürlich auch, wenn Dein Hund dieses Verhalten gar nicht erst lernt. Achte also darauf, dass Du ihn weder durch stimmliches Lob oder aber durch Futter oder Spielzeug dafür belohnst. Belohne ihn, wenn er mit allen vier Pfoten auf dem Boden ist. Auch sollte Dein Welpe bereits früh lernen, dass er erst nach Deiner Freigabe an Spielzeug oder Futter darf und Deine Hände dabei tabu sind.

Hund das Anspringen abgewöhnen – unser Fazit

Wie Du nun sicherlich gemerkt hast, gibt es viele verschiedenen Gründe, warum Dein Hund Menschen anspringt. Genauso vielfältig sind auch die Trainingsansätze, wenn Du Deinem Hund das Anspringen abgewöhnen möchtest. Du solltest wissen, dass so ein Training viel Geduld bedarf und Du Dir Zeit nehmen solltest.

Das Abwehren mit Füßen oder Knie ist nicht hilfreich, da sich wohl der Mensch als auch Dein Hund dabei verletzen kann. Auch ein reines Ignorieren führt oft nicht zum Erfolg, da das Anspringen für viele Menschen unangenehm und mit Angst behaftet ist und sie es so gar nicht schaffen können, den Vierbeiner zu ignorieren.

Es ist auch nicht schlimm, wenn Du mit Deinem Training nicht alleine voran kommst. Suche Dir die Hilfe eines kompetenten Hundetrainers oder Hundeverhaltenspsychologen. Er kann das Verhalten Deines Hundes genau analysieren und Dir so die richtigen Trainingsschritte sagen. Zudem gibt er Dir die nötige Sicherheit beim Training.

Wir wünschen Dir viel Erfolg beim Training. Berichte uns gerne mal in einem Kommentar, welche Erfahrungen Du mit dem Thema gemacht hast und welcher Trainingsansatz Dir dabei geholfen hat.

  • letzte Posts

Seit Jahren beschäftige ich mich mit der artgerechten und gesunden Haltung von Tieren. Neben Tierschutz liegt mir außerdem auch Artenschutz am Herzen.

Durch meine Hündin Mira erlebe ich täglich, wie sozial und empathisch Tiere sind. Deswegen ist es mir wichtig, Menschen aufzuklären und so die Welt für Tiere ein Stückchen besser zu machen.

Besser bekannt bin ich unter dem Usernamen SLEEPHERDS auf Instagram und meinem Blog.

  • Adventskalender für Hunde
    Adventskalender für Hunde – das sind unsere Top 3

    Es ist nicht mehr weit bis Weihnachten. Und so wie wir uns auch über einen tollen Adventskalender mit Schokolade oder kleinen Überraschungen freuen, so ist es schon fast ein Muss, dass auch Adventskalender für Hunde neben unseren eigenen stehen. Ich kenne Hunde, die sogar morgens dann zielstrebig zum Kalender gesteuert sind, weil sie sich schnell an die kleine Überraschung gewöhnt haben.

  • Übergewicht beim Hund
    Übergewicht beim Hund – schwerwiegende Folgen für Vierbeiner

    „Mein Hund jagt gerne, er kommt aber nicht weit!“ rief mir der Herr grinsend zu und griff in den Bauchspeck seines Hundes und machte das Hecheln nach. Eine ausgedachte Geschichte? Leider nein – so passiert letztes Wochenende im Wald – mir verschlug es die Sprache (und das ist wirklich äußerst selten so!). Übergewicht beim Hund ist keine Seltenheit. Viele Hundebesitzer reden es sich schön, aber das ist ein großer Fehler! Denn auch wenn man meint, man tut seinem Liebling etwas Gutes mit zusätzlichen Leckerlis, so sei gesagt: Es schadet nicht nur den Gelenken, sondern auch den Organen. Und es verkürzt hierdurch auch die Lebensqualität und die Lebenszeit massiv. Woran Du erkennst, dass Dein Hund zu dick ist und wie Du Deinen Hund wieder auf Idealfigur bringst, verraten wir Dir gerne.

  • Immunsystem beim Hund
    Immunsystem beim Hund stärken und aufbauen – so gehts!

    Nicht nur für uns Menschen ist die Herbst- und Winterzeit gesundheitlich eine Herausforderung. Auch unsere Vierbeiner haben mit der feuchten und kalten Jahreszeit zu kämpfen und sind anfälliger für Erkrankungen. Deswegen ist es so wichtig, dass Immunsystem beim Hund aufzubauen und zu stärken. Denn geht es unseren Hunden nicht gut, geht es uns auch nicht gut, oder?

Schreibe einen Kommentar